Bestäubern helfen

Für Otto-Normalverbraucher

Honig Kaufen

Achte beim Honigkauf darauf, ob es sich dabei um einen Honig handelt, der ausschließlich aus EG-Ländern und im besten Fall aus Deutschland selbst stammt. Honig aus Nicht-EG-Ländern sind meist Billigimporte, die i.d.R. erhitzt werden, um die flüssige Konsistenz beizubehalten. Regionalität ist und bleibt die bessere Wahl, auch für den Otto-Normalverbraucher.

Füttern Verboten

Nichtstun ist auch schon eine große Hilfe für Bestäuber. Immer wieder erscheinen in diversen sozialen Medien vereinzelt Bilder, auf dem Personen abgebildet sind, die mit einem Löffel Honig eine Biene aufpäppeln wollen, im Glauben, damit dem Bienensterben entgegenzuwirken. Das ist schlichtweg falsch und kann die Situation der Bienen nur erheblich verschlechtern:  Es ist nie auszuschließen, dass Fremdhonige Sporen der Amerikanischen Faulbrut enthalten. Sie sind für Menschen unbedenklich, bedeuten aber für Bienen bei Ausbreitung im Volk den Tod. Daher ist es auch ratsam, alle Honiggläser vor dem Entsorgen zu reinigen.

Auch mit Zuckerwasser soll nicht gefüttert werden. Der Imker will schließlich echten Honig verkaufen können und kann Bienen schlecht einflüstern, welche Quellen sie vermeiden und welche sie anfliegen sollen.

Der Sterile Garten

Heute ist es normal, der Landwirtschaft die gesamte Schuld am Bienensterben zu geben. Dabei haben Landwirte sich immerhin an  Auflagen zu halten, wenn es um die Verwendung von Spritzmittel geht. 

Dies trifft auf Privatgärten jedoch nicht zu. Mittel gegen Läuse, Unkraut und Pilzbefall gibt es in jedem Gartencenter zu erwerben. Nun ist die Menge und die Anzahl der Verwendung hier nicht mehr reguliert, sondern es liegen lediglich Empfehlungen bei, an die man sich halten darf aber nicht muss.

Bedenke auch, dass jeder natürliche Schädling auch einen Fressfeind hat. Wer den Schädling mit Gift vernichtet, vernichtet auch den Räuber und macht sich  durch dieses Ungleichgewicht  automatisch abhängig von einer regelmäßigen Behandlungsmaßnahme. Bestes Beispiel ist das enge Zusammenspiel von der gefürchteten Blattlaus und dem Marienkäfer als ihren Fressfeind.

  Bewertet man einen Garten aus der Perspektive des Bestäubers, ist ein unaufgeräumter Garten wohl die erste Wahl. Von einem Golfrasen hat eine Biene nämlich nichts. Dafür aber sind Wildkräuter und blühende Sträucher das reinste Schlaraffenland für die kleinen Insekten

Für Garten- und Balkonbesitzer

Kräuter

Es gibt wohl kaum einen schöneren Moment, als die eigenen Kräuter aus dem Garten oder Balkonkasten zu pflücken. Folgende Kräuter sind für Bienen, Hummeln & Co im blühenden Zustand interessant:

  • Schnittlauch
  • Knoblauch
  • Basilikum
  • Fenchel
  • Majoran
  • Thymian
  • Boretsch
  • Anis-Ysop
  • Blühende Salbeisorten
  • Rosmarin
  • Lavendel
  • u.v.m.

Blumen

Wer liebt sie nicht? Farbe im Garten und im besten Fall für lange Zeit! Blumen, sowohl Stauden, als auch einjährige Pflanzen, können so gepflanzt werden, dass mann im Garten oder auf dem Balkon immer etwas am Blühen hat. Wichtig ist zu wissen: Nicht jede Blüte ist für Bestäuber von Bedeutung. Dazu zählen z.B. Petunien oder die Tagetes. Es gibt unzählige Zuchten, bei denen es gar keinen Zugang zum Pollen oder Nektar gibt („gefüllte Blüten“), was mit einem Golfrasen, aus Sicht der Bienen, zu vergleichen ist.

Stattdessen empfehlen wir z.B.:

  • Krokusse; Winterlinge, Schneeglöckchen
  • Dalmatiner-Glockenblume,
  • Ziersalbei,
  • Kornblume,
  • Sonnenblume,
  • Ringelblume,
  • Lavendel,
  • Katzenminze,
  • u.v.m.

Nutzpflanzen

Wussten Sie, dass die Honigbiene deshalb auf Platz 3. der ökonomisch wichtigsten Nutztiere steht, weil sie eine unersetzbare Bestäubungsleistung für unsere Nahrungsmittel vorweist? Hier die bekanntesten Pflanzen:

  • Generell Obstbäume (z.B. Kirsche)
  • Himbeeren
  • Brombeeren
  • Erdbeeren
  • Tomaten
  • Gurke
  • Zuccini
  • Kürbis
  • Mandel
  • Edelkastanie
  • Raps
  • u.v.m.

Für Landwirte

Flugzeiten beachten

Solltest du deinen Bestand mit Insektiziden behandeln, dann ist schon viel erreicht, wenn diese Maßnahmen ergriffen werden, solange sich keine Bienen im Feld aufhalten.

Das trifft zu, wenn der Schlag

  1. keine Trachtweide darstellt,
  2. noch nicht in der Blüte steht,
  3. zwar blüht und eine Trachtquelle darstellt, aber nicht honigt (Tageszeit, Temperatur, Niederschläge beachten)

Honigbienen fliegen erst ab einer Temperatur von ca. 9 Grad unter sonnigen Bedingungen. Starke Flugaktivität findet hauptsächlich bei voller Sonne und ab ca. 15 Grad statt. Dies lässt ab 19:00 Uhr deutlich nach.

Nahrungsquellen + Lebensräume schaffen

Du hast als Landwirt mehrere Möglichkeiten, um Bienen und anderen Bestäubern Nahrungsquellen zu verschaffen. Viele Maßnahmen werden zum Teil  gefördert. Informiere dich  darüber!

Gründüngung

Solltest du deinen Acker wieder mit einer Gründüngung verwöhnen, eignen sich folgende Pflanzen auch hervorragend als Bienenweide:

Phacelia, Weißklee, Lupinen, Persischer Klee, Luzerne, Gelbsenf, Sonnenblume, Esparsette

Blühstreifen

Damit Blühstreifen auch wirklich eine ökologische Bedeutung haben, ist es entscheidend, nur jenes Saatgut zu säen, das in der Umgebung auch natürlich wächst. Es gibt zwar Generalisten unter den bestäubenden Insekten, die auch die amerikanische Phacelia gerne besuchen würden, doch von denen gibt es nur wenige. Die meisten unserer heimischen Insekten sind nämlich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Daher bedarf es bei den Blühstreifen der genauen Überlegung und Planung. Gutes  und einheimisches Saatgut ist teuer, aber letzteren Endes auch zielführend! Damit die Artenvielfalt gewährleistet werden kann, sollte die Wiese nur noch 1x im Jahr gemäht werden. Bitte räume das Mähgut weg, sodass die Wiese schön mager bleibt. Dies garantiert die größte Vielfalt!

Saaten-Zeller.de

Rieger-Hofmann.de

wildacker.de

bluehende-landschaft.de

 

Weitaus wertvoller für die Tierwelt und die Artenvielfalt sind natürlich kleine, dauerhafte Biotope mit unterschiedlichen Strukturen. Darin sind  Hecken, Stauden, Totholz und „nackte“ Lehmböden (als perfekte Nisthilfe) zu finden. Einen guten Überblick verschafft folgendes Video (klick).

 

Gehölze

Eine letzte Idee wären Gehölze, die nicht nur Bestäubern, sondern auch zahlreichen anderen Tieren, z.B. Vögeln, wichtigen Lebensraum bieten. Besonders gut geeignet sind z.B.

  • Sal- und Silberweide
  • Kornelkirsche
  • Schlehe
  • Hasel
  • Spitzahorn
  • Vogelkirsche
  • Rosskastanie
  • Winter-Heckenkirsche
  • u.v.m.

In Kontakt Bleiben

Imker mögen wohl sonderbar sein, aber es ist wichtig, mit den umliegenden Imkern im Kontakt zu stehen. Erst im Austausch lässt sich herausfinden, ob die Methoden und Maßnahmen, die du für Bestäuber ergreifst, hilfreich sind oder nur mühselige Arbeit darstellen.

Ein gesundes Bienenvolk in deiner Nähe gibt dir eine gute Rückmeldung, dass du dich auf dem richtigen Weg befindest, Insekten zu schonen und gar zu schützen.

 

Weitere Anregungen

Insektenhotels

Heute modern wie eh und je, seitdem das Bienensterben medial ins Bewusstsein gebracht wurde. Die meisten „Hotels“ sind leider schlecht durchdacht und vor allem: Mit unnötigem aber billigem Füllmaterial ausgestattet. Bei den Insektenhotels besteht auch die Gefahr, dass nur den Generalisten unter den Wildbienen geholfen wird. Zum Beispiel der Mauerbiene. Viele Insekten nisten in senkrechten, markhaltigen Stengeln (z.B. Brombeere). Achtung! Große Insektenhotels sind leider starke Anziehungsorte für Parasiten und Krankheiten. Besser ist es, man stellt kleine Hotels an verschiedene Orten auf. In der PDF rechts gibt es noch weitere Tipps!

Freie sand-LehmBöden

Über 70 % aller Wildbienenarten sind ausschließliche Bodenbrüter und verschmähen die Insektenhotels. Diese brauchen wiederum offene Lehm/Sandflächen, in die sie ihre Kinderstuben graben. Daher ist es besonders wichtig, Nackte Böden mit viel Sand- und Lehmanteil anzubieten. Genaue Infos siehe PDF-Dateien.

WasserquelleN Anbieten

Neben Pollen und Nektar benötigen unzählige Bestäuber auch Zugang zum Wasser. Ein kleiner Teich oder eine sichere „Bienentränke“ sind dafür bestens geeignet. Achte darauf, dass die Insekten immer Halt finden, damit sie nicht ertrinken. Besonders im Frühjahr beobachten wir Imker einen Ansturm der Honigbienen auf unsere bereitgestellten Wasserquellen.

Imker werden?

 

 

Nicht nur ein Hobby

Dass jemand Honigbienen halten möchte, betrachten wir selbst mit einer leichten Skepsis. Denn die Bienenhaltung erlebte in den letzten 8 Jahren einen enormen Hype und nun türmen sich sogar auf den Dächern vieler Städte die Bienenkisten. Dieses Bewusstsein und Interesse ist einerseits sehr zu begrüßen. Denn ja, wir brauchen mehr Bienen! 

Andererseits lässt sich immer wieder beobachten, dass die anfängliche Begeisterung ab dem 2. Jahr wieder nachlässt, weil die Imkerei nun mal nicht bedeutet: „summende Insekten beobachten“. Ein Imker kann nicht spontan über mehrere Wochen verreisen und die Bienenvölker unberührt stehen lassen. Ebensowenig ist es ratsam, den Honig unangetastet im Volk zu lassen „weil es ja nur um Naturschutz und nicht um Gewinn geht“. Leider ist dies ein Trugschluss, denn: Bienen können nicht auf jeden Honig gut überwintern! Der sogenannte Melizitose-Honig z.B. verursacht ernsthafte Verdauungsprobleme, was im Winter für ein Volk tödlich enden kann.

Sollten Sie nun Imker werden wollen und in der Hochsaison bereit sein, mindestens 1x die Woche in die Völker reinzusehen, dann bedenken Sie bitte Folgendes:

 

Theorie und Praxis

  • Belegen Sie einen Anfängerkurs in einem Imkerverein
  • Lesen Sie Fachliteratur
  • Bitten Sie einen Imker Ihr Mentor für mind. eine Bienensaison zu werden
  • Nutzen Sie regelmäßig die Kursangebote des Imkervereins!

 

Die wichtigsten Tätigkeitsfelder

  • Regelmäßige Schwarmkontrollen in der Schwarmzeit (ca. ab Ende April) und ggf. Schwarmfänge
  • Ableger / Kunstschwärme bilden
  • Auf Weiselrichtigkeit kontrollieren (Eier vorhanden? Königin sichtbar?)
  • Ggf. Honig schleudern und verarbeiten (filtern, in Gläser umfüllen etc.)
  • Ggf. Völker vereinen, auflösen, erweitern
  • Varroabehandlung (z.B. Drohnenbrutschneiden vor dem Honigschleudern und Ameisen-, Oxal- und Milchsäure gegen Ende der Bienensaison)
  • Ggf. Auffüttern mit Sirup/Zuckerwasser usw (=Winterfütterung)
  • Rasen mähen (besonders vor dem Flugloch!)
  • Wabenhygiene! Dunkle Waben austauschen, einschmelzen, filtern
  • Ausgeschmolzene Rähmchen reinigen (z.B. Natronlauge)
  • Mittelwände bzw. Anfangsstreifen löten
  • Lagerraum regelmäßig aufräumen (Ordnung ist das A und O!)
  • Wachsmotten-Management (keine bebrüteten Waben offen stehen lassen!)

 

Start

  • Entscheiden Sie sich nur für ein Beutenmaß (im besten Fall orientieren Sie sich an die Maße Ihres Vereins oder der Imker aus Ihrer Nähe)
  • Kaufen Sie keine gebrauchten Beutenteile o.ä. (Amerikanische Faulbrut-Gefahr!) bzw. reinigen Sie gebrauchte Beuten u. Rähmchen gründlich (Abflammen, Natronlauge o.ä.)
  • Beginnen Sie mit einem Schwarm oder Ableger
  • Rechnen Sie mit Einstiegskosten (ohne Volk, ohne Schleuderutensilien) von ca. 600 EUR
  • Standortfrage (Wasser und Trachtquelle in der Nähe? Sonne? Nachbarschaft?) und Lagerraum klären
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